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Sieg im Doppel, Sieg beim Einzel-Debüt: Alexander Waske hält Deutschland erstklassig.
Von Ulrich Hartmann
Das ersehnte rauschende Davis-Cup-Gefühl hat am Sonntag um 14.04 Uhr kurz den Düsseldorfer Rochusclub erobert. Thomas Haas und Michael Kohlmann trugen Alexander Waske auf Schultern, und Waske winkte mit der schwarz-rot-gelben Flagge stolz ins jubelnde Publikum. Solche Szenen wünschen sich die deutschen Spieler ja, doch das rauschende Gefühl ist nur deshalb aufgekommen, weil Deutschland gegen Thailand mit 4:1 und erheblicher Mühe gewinnen und die erneute Startberechtigung für die Weltgruppe 2007 ergattern konnte.
Alexander Waske - ausgerechnet der Spieler, der es stets als größtes Glück bezeichnet, für Deutschland antreten zu dürfen, holte den siegbringenden dritten Punkt. Weil Thomas Haas sich erschöpft abgemeldet hatte, musste Waske zum ersten Mal im Einzel ran und bezwang Paradorn Srichaphan in 2:28 Stunden 6:4, 7:5 und 7:6 (12). Den vierten Punkt im Schlusseinzel holte Florian Mayer gegen Sanchai Ratiwatana mit einem 6:1 und 6:3.
Wenn Waske ein besonderes Spiel gewinnt, dann behält er den Matchball gern für sich. Auch den letzten Ball vom Sonntag hat er behalten und mit einem Filzstift "Matchball, Davis Cup, Srichaphan" draufgeschrieben. Es ist in seiner Laufbahn der dritte Ball, den er behält und daheim ins Regal legt. "Wenn ich für Deutschland spiele", sagt Waske, "dann schwitze ich dreimal so viel." Die Tenniskarriere des 31-Jährigen spielt sich sonst in den Randspalten der Sportseiten ab. Der Sieg, sagte Waske, habe für ihn "eine sehr große Bedeutung".
"Schlapp und ausgelaugt"
Das gleiche kann Kapitän Patrik Kühnen sagen - über Waske. Der Teamchef hatte seine Mannschaft extra mit zwei Einzel- und zwei Doppelspielern bestückt. Thomas Haas und Florian Mayer sollten die Einzel bestreiten, Alexander Waske und Michael Kohlmann das Doppel. Kühnen hatte Philipp Kohlschreiber (Nr. 63 der Weltrangliste) aus dem auf vier Spieler begrenzten Kader genommen, obwohl er nach Haas (Nr. 14) und Mayer (Nr. 53) der derzeit drittbeste Einzelspieler ist.
Waske steht in der Weltrangliste auf Platz 115, Michael Kohlmann gar nur auf Rang 898. Die beiden haben am Samstag ihre Doppel-Aufgabe souverän erledigt und die Zwillingsbrüder Sanchai und Sonchat Ratiwatana in 73 Minuten 6:1, 6:2 und 6:0 besiegt. Als sich am Samstagabend herausstellte, dass Haas nach seiner Fünf-Satz-Niederlage am Freitag gegen Danai Udomchoke noch immer "schlapp und ausgelaugt" (Haas) war, durfte Doppelspezialist Waske gegen den 74 Weltranglistenplätze besseren Srichaphan aufs Feld.
Hätte er verloren, und wäre auch Mayer danach in Schwierigkeiten geraten, hätte Kühnen sich noch einmal rechtfertigen müssen. Er habe allerdings großes Vertrauen in Waske gehabt, sagte Kühnen. Der Kapitän hatte am Freitag überrascht registriert, dass Haas schon nach zwei Stunden erschöpft war. "Die US Open waren eine sehr starke Belastung für ihn", sagte Kühnen, "aber sein Image ist deswegen nicht angekratzt." Auch Waske brach eine Lanze für Haas, der sich nach wie vor Hoffnungen auf einen Start beim Masterscup in Shanghai macht. "Ich halte es für ein Zeichen der Stärke, dass Tommy offen zugibt, dass er nicht mehr kann", sagt Waske.
Bei Haas hatte sich bemerkbar gemacht, dass er in New York bis ins Viertelfinale gekommen war und drei Fünf-Satz-Matches bestreiten musste. "Ein Marathonläufer braucht auch drei Wochen, um sich zu erholen", sagte Waske.
Angesichts des körperlichen Einbruchs von Haas und der Handverletzung von Nicolas Kiefer stellten sich die auf Sand harmlosen Thailänder noch einmal als Glückslos heraus. Nach dem Sieg erfuhr Kühnen allerdings, dass Kiefer nicht krank daheim in Hannover weilte, wie er dem Kapitän nach dessen Aussage am Telefon mitgeteilt hatte, sondern dass er nach Asien geflogen war, um Sponsorentermine wahrzunehmen.
Kühnen wollte sich dazu nicht äußern. "Ihm steht frei, was er macht", sagte der Kapitän knapp, "und bei mir überwiegt derzeit die Freude über den Erfolg."
"Ein neuer Anlauf"
Deutschland bleibt trotz einer nur teilweise überzeugenden Vorstellung erstklassig und bekommt am Donnerstag seinen Gegner für die erste Runde im kommenden Februar zugelost. "Ein neuer Anlauf!", sagt Kühnen routiniert und hoffnungsvoll. Ein Erstrundenspiel in der Weltgruppe hat das deutsche Davis-Cup-Team seit 2001 nicht mehr gewonnen. Damals gelang mit einem 3:2 gegen Rumänien der Einzug ins Viertelfinale.
Letztmals im Halbfinale stand Deutschland im September 1995, letztmals im Finale im Dezember 1993. Damals gewannen Michael Stich, Marc-Kevin Goellner und Patrik Kühnen in Düsseldorf den Cup. Beflügelt vom Geist dieser glorreichen Vergangenheit wirkte die deutsche Mannschaft am Wochenende nicht. Trotz Ehrenrunde in Schwarz-Rot-Gelb.
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