<< zurück
Link zur Quelle / Link to source
Das deutsche Davis-Cup-Team hat den Abstieg in die Zweitklassigkeit vermieden. Alexander Waske sicherte dem DTB-Team den entscheidenden Punkt zum Sieg gegen Thailand. Und auch Florian Mayer siegte im unbedeutenden letzten Einzel.
Waske, der für den erschöpften Tommy Haas einspringen musste, setzte sich gegen Paradorn Srichaphan mit 6:4, 7:5, 7:6 (14:12) durch. "Ich bin völlig durch den Wind. Ein Traum ist wahr geworden", sagte Waske. Nach dem fünften Matchball und 2:28 Stunden sank der 31-Jährige rücklings auf den roten Sand.
Im letzten Match gewann Florian Mayer gegen Sanchai Ratiwatana, der für Danai Udomchoke zum Einsatz kam, mit 6:1 und 6:3.
Auf Schultern zur Ehrenrunde
Nach dem verwandelten fünften Matchball stürmten die Mitspieler und Kapitän Patrik Kühnen auf Waske zu. Haas und Michael Kohlmann schulterten den Matchwinner zur Ehrenrunde, bei der er euphorisch eine Deutschland-Fahne schwenkte.
Den Matchball sicherte sich Waske und verewigte mit einem Filzstift darauf die Worte: "Matchball - Daviscup - Srichaphan." Er wird einen Ehrenplatz neben den beiden Matchbällen vom ersten Sieg auf der Challenger-Tour und beim Daviscup in Aachen bekommen.
"Die Glücksgefühle kommen später, noch bin ich viel zu angespannt." Das nächste Turnier führt den Frankfurter nach Thailand, wo er in Bangkok aufschlagen und vielleicht wieder auf Srichaphan treffen wird. "Dann geht das normale Geschäft wieder los", meinte Waske.
Ein dicker Brocken wartet
Wenn am Donnerstag in Rom die erste Runde im Daviscup 2007 ausgelost wird, ist die deutsche Mannschaft im Topf der Ungesetzten. Das heißt, dass im Februar einer der Großen der Gegner sein wird. Das könnten sogar Argentinien, das nach dem Heimsieg gegen Australien im Davis-Cup-Finale (1. bis 3. Dezember) steht, oder die anderen Halbfinalisten Russland und Rekordsieger USA sein.
"Wir sind alle unheimlich erleichtert", sagte Kühnen und lobte seinen Ersatzmann in den höchsten Tönen: "Er hat eine Punktlandung vollbracht. Wenn es um Deutschland geht, gibt er immer alles. Es wäre mir natürlich lieber gewesen, wenn wir nach dem Doppel schon 3:0 geführt hätten. Der Punkt von Haas war fest eingeplant."
Waske als Sieggarant
Mit dem Sieg in seinem ersten Davis-Cup-Einzel wurde Waske unverhofft zum Erfolgsgaranten gegen die hartnäckigen Thailänder, die unbeeindruckt vom Militär-Putsch in der Heimat aufspielten.
Der Weltranglisten-115. hatte mit seinem etatmäßigen Doppel-Partner Kohlmann schon die Zwillinge Sonchat und Sanchai Ratiwatana 6:1, 6:2, 6:0 geschlagen. Es war der zweite Erfolg nach Florian Mayers Fünfsatz-Krimi gegen Srichaphan am Eröffnungstag.
Haas noch immer geschwächt
Haas hatte sich zum Auftakt gegen den Weltranglisten-113. Danai Udomchoke bis auf die Knochen blamiert. Auch zwei Tage nach der am Ende von Krämpfen begleiteten Fünfsatz-Pleite fühlte sich der 28-Jährige "körperlich sehr ausgelaugt, so dass die Gefahr besteht, dass ich einen ähnlichen Einbruch wie am Freitag erleiden könnte". Der Kapitän zog nach einem Gespräch die Notbremse.
"Tommy hatte seine Planungen voll auf den Davis Cup abgestimmt", erklärte Kühnen. Allerdings habe sich gezeigt, dass er die Strapazen der US Open, bei denen er vor gut zwei Wochen im Viertelfinale ausgeschieden war, noch nicht überwunden hat. Kühnen: "Er hat leider noch nicht zu 100 Prozent regeneriert."
Mit grimmiger Miene verfolgte Haas das Match seines Vertreters. Gestützt auf seinen starken Aufschlag setzte Waske den in der Weltrangliste 74 Plätze besser liegenden Srichaphan unter Druck. Und so ging der thailändische Nationalheld, der mit einem Diplomatenpass durch die Welt reist, auch in seinem neunten Sandplatz-Match 2006 als Verlierer vom Platz.
Für Kopfschütteln sorgte Nicolas Kiefer, der wegen einer Handverletzung pausierte. Seinen angekündigten Besuch als Zuschauer und Fan sagte er Anfang der Woche in einem Gespräch mit Kühnen ab. Er wolle das Team nicht stören, erklärte sein Manager. Stattdessen reiste der Hannoveraner nach Vietnam zu einem geschäftlichen Termin.
<< zurück