Presse-Lounge

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15.07.2006: Schülerzeitung

Interview mit Anja Wittenberg

Coesfeld. Er hat Ehrgeiz. Er hat Kampfgeist. Er ist ein Quereinsteiger: Alexander Waske, der deutsche Tennisprofi aus Frankfurt am Main spielte sich über die USA in die Top-100 der ATP-Weltrangliste, mit großem Erfolg. Die Stimmungskanone im deutschen Davis-Cup Team gewann mit seinen Mannschaftskollegen unter anderem den World Team Cup 2005. In der Bundesliga schlägt der sympathische Hesse für den TC Blau-Weiß Halle auf und sorgt vor allem als Doppelspezialist für große Erfolge in der ATP-Tour an der Seite von Tommy Haas und vielen anderen Top-Stars. Junge-Szene-Mitarbeiterin Anja Wittenberg hat den 31-Jährigen in Halle/Westfalen getroffen und mit ihm über Trainingstipps für den Tennisnachwuchs und seinen Werdegang bis zum Profi gesprochen.

Als Tennisprofi stehst du täglich auf dem Tennisplatz. Ein jugendlicher Tennisspieler trainiert vielleicht zwei Mal die Woche. Wird man so Profi?
Waske: Nein, es ist ganz wichtig, dass du dein Trainingspensum immer steigern kannst. Jugendliche, die mit zwölf Jahren schon vier Stunden am Tag spielen, werden später nicht gut werden.

Warum nicht?
Waske: Studien belegen, dass man mit 17 oder 18 dann ausgebrannt ist und sich der Körper nicht so gut entwickeln kann. Für einen Zwölfjährigen reicht es, wenn er drei bis vier Mal die Woche Tennis spielt und vielleicht noch zwei Mal Fußball. Mit 16 oder 17 Jahren kommt dann das Lauf- und Krafttraining dazu. Das sind alles Stufen, die aufgebaut werden müssen, sonst schafft man es nicht.

Du hast früher auch Fußball gespielt. Was war ausschlaggebend, dass du dich für Tennis entschieden hast?
Waske: Meine Familie war sehr in meinem Tennisclub involviert. Somit habe ich dort sehr viel Zeit verbracht. Beim Fußball bin ich dann irgendwann nicht mehr weiter gekommen, also habe ich mich für Tennis entschieden.

Und wie klappte der Spagat zwischen der Schule und dem Sport?
Waske: Abmachung mit meinen Eltern war immer, so lange meine Noten gut sind, darf ich so viel Sport machen, wie ich will. Wenn meine Noten schlecht werden, muss ich weniger machen und mehr für die Schule tun. Aber ich habe es eigentlich durchweg hingekriegt, dass meine Noten so gut waren, dass ich so viel Sport treiben konnte, wie ich wollte.

Du hast in den USA Wirtschaft studiert und gleichzeitig Tennis gespielt. Wie kamst du auf die Idee beides zu machen?
Waske: Mir war eins nicht genug. Ich wollte Tennis spielen, aber andererseits meinen Werdegang auch nicht stoppen. Wenn ich aber nur studiert hätte, wäre das Tennis auf der Strecke geblieben. In Amerika gibt‘s Stipendien, dann kann man vormittags Vorlesungen besuchen und nachmittags trainieren. Und außerdem hat mir der Auslandsaufenthalt viel gebracht.

Würdest du den Trip in die USA noch mal wagen oder würdest du es rückblickend anders machen?
Waske (grinst): Nein, beste Entscheidung meines Lebens.

Hattest du immer den Gedanken im Hinterkopf, einmal Tennisprofi zu werden?
Waske: Nein, den Gedanken habe ich eigentlich lange weggeschoben. Aber mit 24 wurde mir klar, dass ich jetzt professionell Tennis spiele.

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um das zu meistern, um das durchzuhalten?
Waske: Neben Ehrgeiz ist es ganz wichtig, dass es Spaß macht und keine Arbeit ist, denn als Profi wird es noch früh genug zur Arbeit. Wenn ein Zwölfjähriger fünf Stunden am Tag trainieren soll, dann hat der mit 17 gar keine Lust mehr auf Tennis. Grundsätzlich ist es wichtig, einen guten Trainer zu haben, der Ahnung und einen gewissen Weitblick hat. Irgendwann sollte man sich von einem richtig guten Trainer anhören, was noch zu verbessern ist.

Gibt es solche Jugendliche noch, die diesen Ehrgeiz haben?
Waske: Ja, überall. In Deutschland gibt es leider nicht so viele, aber vielleicht kommt ja in ein paar Jahren ein Neuer.

Und wann gibt es wieder eine deutsche Nummer Eins in der ATP-Weltrangliste?
Waske (lacht): Wenn der Roger Federer nicht mehr so gut spielt.

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