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Beim World Team Cup, der ab Sonntag (21.05.06) im Düsseldorfer Rochusclub ausgetragen wird, ist Alexander Waske nur für das Doppel vorgesehen. Auch im Daviscup ist das seine Rolle. Dennoch halten ihn viele für den wichtigsten Mann im deutschen Team.
Als er 14 war, musste sich Alex Waske entscheiden. Ein Sichtungsturnier im Fußball stand an, und der linke Läufer hatte gute Chancen, sich für die Auswahlmannschaft zu qualifizieren, aus der seine Kameraden Thomas Sobotzik und Michael Anicic den Sprung ins Profgeschäft schafften. Zeitgleich hatte der Frankfurter ein Abstiegsspiel mit den Junioren seines Tennisclubs, und der Jugendwart setzte ihn unter Druck: "Wenn du nicht kommst, fliegt du aus der Förderung."
Klassenerhalt mit 5:4
Waske entschied sich für's Tennis und bezeichnete das unlängst in einem Interview der FAZ halb ernst, halb augenzwinkernd als seinen größten Fehler, weil es ihm die Chance geraubt hatte, in seiner Lieblingssportart Fußball die Grenzen nach oben auszuloten. Das mit dem Fehler sehen nicht alle so. Die Tennis-Junioren nicht, die mit einem 5:4 die Klasse hielten, zu dem ihr Alex Punkte im Einzel und Doppel beitrug. Aber auch viele Fans und Funktionäre wären traurig, wenn der heute 31-Jährige Leder- statt Filzball gewählt hätte.
"Unheimlich positiv"
Patrik Kühnen beispielsweise. Der deutsche Teamchef geriet regelrecht ins Schwärmen, als ihn sport.ARD.de nach Waske fragte. "Ein unheimlich positiver Typ, der eine gute Bindung zu den Fans herstellt. Der reißt die Leute mit, das Feuer geht von ihm aus und kommt von den Tribünen zurück. Für unser Team ist so ein extrovertierter Typ unheimlich wertvoll."
15 Mal den Römerberg hoch
Ähnlich sieht es Dietloff von Arnim. Auch die Augen des Turnierdirektors im Rochusclub leuchten, wenn er über den glühenden Eintracht-Frankfurt-Fan spricht: "Das ist einer, dem man richtig ansieht, wie gern er für Deutschland spielt. Das ist Identifikation pur. Er hat mir mal erzählt, dass er gern 15 Mal den Frankfurter Römerberg hochjoggt, wenn er sich so die Kondition holt, um für Deutschland richtig fit zu sein."
Dass Kühnens Truppe im vergangenen Jahr im Endspiel gegen Argentinien die Mannschafts-WM in Düsseldorf gewinnen konnte, war zu einem großen Teil Waskes Verdienst. Natürlich hatte Tommy Haas mit einem Einzelsieg den Weg geebnet, doch schon während dieses Spiels zeigte sich Waskes Wert: Er versteht wie kein Zweiter, Haas von der Tribüne aus zu pushen. Waske ist überhaupt einer der ganz wenigen, von denen sich Haas etwas sagen lässt. Der ihm, wie Haas selbst erzählt hat, im Doppel "gern mal in den Hintern treten" darf.
Kein reiner Doppelspieler
Dass er ein reiner Doppelspieler sei, hört Waske aber nicht gern. Dazu hat er auch im Einzel zu hart an sich gearbeitet und vor drei Jahren als Spätstarter Spezialisten für Tennis-Training, Kräftigung, Kondition und Psyche ins Boot geholt. Seitdem hat er sich konstant in den Top-100 etabliert und nennt "die Top 70" als nächste zu erklimmende Hürde. Die emotional größten Momente auf dem Court erlebt er aber immer noch im Team. Im Daviscup, oder auch nach dem World-Team-Cup-Triumph im Vorjahr. "Da hat er mich mit beiden Händen am Jackett gepackt und mich angebrüllt: Hast du gesehen, wie wir die planiert haben?", erinnert sich Dietloff von Arnim lachend. Dem Tennis mit seinen vielen hochprofessionellen, obercoolen und bierernsten Typen würde etwas fehlen, hätte sich Alexander Waske damals für Fußball entschieden.
Von Christian Hornung
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