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Wie Tennisstar Waske, bekennender Scholl-Fan, die WM erleben wird
München - Fußball ist immer ein dankbares Thema, um mit Alexander Waske (31) zu reden. Seit Wochen versäumt es der Tennisprofi in keinem Interview, für eine WM-Nominierung von Mehmet Scholl zu trommeln. Ende Juni beginnen für den Davis-Cup-Spieler und Eintracht-Frankfurt-Fan aufregende Wochen. Am 26. Juni starten in Wimbledon die All England Championships - zwei Tage zuvor die WM-Achtelfinals. Traditionell spielt der Fußball beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt eine wichtige Rolle.
Als Sportler und als Fußballfan ist Ende Juni für Sie der Höhepunkt des Jahres. Lassen sich die beiden Großereignisse so einfach verbinden?
Alexander Waske: Mein Beruf ist es, Wimbledon zu spielen. Ich werde versuchen, so weit zu kommen, wie ich kann. Aber sofern es meine Freizeit betrifft, werde ich natürlich sehr, sehr oft Fußball gucken.
Ist ein Wimbledon mit Fußball noch aufregender als ohne?
Waske: Wimbledon ist ein Super-Event. Aber WM ist nun mal nur alle vier Jahre, da fiebern alle drauf hin. Wir hatten hier mit der ATP so eine kleine Sache, wo wir die beste deutsche Mannschaft aller Zeiten aufstellen mussten, mit Fritz Walter, Beckenbauer und allem Drum und Dran. Es wird dauernd über Fußball geredet, und in Wimbledon wahrscheinlich noch extremer.
Gibt es überhaupt Spieler, die sich nicht für Fußball interessieren?
Waske: Gibt es auch. Aber das sind meistens Amerikaner.
Trotz des Aufschwungs der US-Mannschaft und des WM-Viertelfinals 2002?
Waske: Die Amis haben es mehr mit Football, Basketball, Baseball und so. Ansonsten ist da jeder ansprechbar, mehr oder weniger. Die meisten eher mehr.
Wie war es 2002? Ihr erstes Wimbledon, und Deutschland wird Zweiter.
Waske: Damals war es von der Zeitverschiebung her unglaublich unangenehm, weil die Spiele morgens und mittags waren. Abends wäre es kein Problem gewesen, da hätte man schön alles gucken können. Ich habe mein Zweitrundenspiel gehabt, während Deutschland gespielt hat.
Die Höchststrafe.
Waske: Das wünsche ich keinem. Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich während des Spiels daran gedacht habe, dafür war mir mein eigenes Spiel dann doch zu wichtig. Aber gesehen hätte ich es schon gerne.
Das mit dem Fernsehen ist in Wimbledon ja so eine Sache.
Waske: Man hat natürlich die englische Berichterstattung. Wir sind ja nicht unbedingt superbeliebt in England, und dann die ganze Zeit sich die Kommentare anhören zu müssen über unsere Mannschaft... Das ist schon manchmal nicht erträglich mit den deutschen Kommentaren, aber mit den englischen ist es noch unerträglicher.
Diesmal gibt es keine Zeitverschiebung. Zwei Spiele pro Tag werden sich voll mit Tennis überschneiden.
Waske: Stimmt schon, aber ich kann jetzt auch nicht sagen, dass jedes WM-Spiel superinteressant ist. Und man wird da sicher auch seine Trainingszeiten entsprechend legen, dass man nicht gerade auf dem Platz steht, wenn die Deutschen spielen. Wenn Match ist, kann man halt nichts ändern.
Haben Sie wie so viele Profis ein Haus in Wimbledon gemietet?
Waske: Nee, nee. Ich habe eine deutsche Familie, die mich beherbergt. Familie Kummer in Roehampton. Da wohne ich immer.
In den Häusern wird es wahrscheinlich abends recht gemütlich sein, wenn sich die WG aus Spielern, Trainern und Betreuern im Wohnzimmer vor dem Fernseher versammelt.
Waske: Ich werde bei Familie Kummer sitzen und es mir da anschauen.
Vor vier Jahren erschien Nicolas Kiefer in Wimbledon zu einer Pressekonferenz im DFB-Trikot. Sie tragen schon auf dem Tennishemd immer Schwarz-Rot-Gold. Haben Sie auch ein Trikot im Gepäck?
Waske: Sowas ist geplant von den deutschen Spielern. Wir haben alle gesagt, wenn die WM beginnt, muss jeder ein Deutschland-Trikot haben.
Und das auch bei öffentlichen Gelegenheiten tragen wie Kiefer?
Waske: Das geht ja nicht. Ich wollte Adidas schon mal ansprechen, ob die jedem von uns eins schicken können, aber ich kann ja kein Adidas zu einem Event anziehen, wenn ich einen Vertrag mit einer anderen Firma habe.
Wann tragen Sie es dann?
Waske: Zum Spiel. Wenn ich Fan bin, keine öffentliche Person. Privatperson bin ich, wenn ich zuhause oder in der Bar sitze und das Spiel gucke. Dann kann ich anziehen, was ich will.
Gibt es die traditionellen Nationalitätenkonflikte des Fußballs auch im Tennis?
Waske: Klar. Die Holländer reizen ohne Ende. Aber ich muss ehrlich sagen: Die ganzen holländischen Spieler sind mir mit am sympathischsten. Ich komme mit denen persönlich gut aus, aber die Fußballrivalität, die überträgt sich immer.
Die Niederländer haben von 2002 eine Menge gutzumachen.
Waske: Gut, dann kommen die ganzen Zeitungsberichte mit den Stahlhelmen in Orange und diesem komischen Hitlerbart, den die Leute in Holland angeblich tragen wollen. Eine Katastrophe.
Haben Sie immer noch vor, in Wimbledon mit dem Eintracht-Frankfurt-Wappen anzutreten?
Waske: Das werde ich tragen.
Mit Ausrüster und Veranstalter gibt es keine Probleme?
Waske: Warum? Das ist ja ein Badge, wie ein Werbeaufnäher. Ich kann mit meinem Ärmel machen, was ich will. Ob ich da Siemens drauf mache, BMW oder ein Eintracht-Wappen. Das ist meine Werbefläche.
Wird auf Turnieren eigentlich noch gekickt? Früher gab es in Hamburg immer offizielle Fußballspiele zwischen Europa und Südamerika.
Waske: Das wird heute wenig gemacht. Das letzte Spiel, von dem ich weiß, war vor drei Jahren. Viele haben Angst vor Verletzungen, aber wir machen im Training ziemlich viel. Ich bin da auch total dafür. Nächste Woche haben wir Trainingswoche, da werden wir in Köln viele Fußballer zusammenkriegen. Da treffen wir uns auf so einem Soccafive-Platz.
Sie standen 2005 in Australien zum ersten Mal als Doppelspieler in einem Grand-Slam-Halbfinale. Mal angenommen, Sie kommen in Wimbledon noch eine Runde weiter, dann würden sich Ihr Finale und das der WM womöglich überschneiden.
Waske: Würde ich sofort machen. Das würde ja heißen, dass ich in einem Wimbledon-Endspiel stehe. Klar, ich bin absoluter Deutschland-Patriot. Wenn ich zum Fußball komme, stehe ich da und schreie. Aber wenn ich arbeiten muss, dann muss ich arbeiten. Mit meinem Kopf bin ich bei meinem Aufschlag und meinem Return. Ich werde nicht beim Seitenwechsel fragen: Wie steht's bei Deutschland?
Sondern unmittelbar nach dem Matchball.
Waske: Ja, klar. Das war bei der Eintracht jetzt auch so, als sie Pokal-Halbfinale hatte. Ich habe drei Stunden, zwanzig Minuten gegen Vanek in Houston gespielt und hatte Krämpfe. Aber bevor ich zum Physio bin, bin ich erst in die Lounge gehumpelt und habe geschaut, wie die Eintracht gespielt hat.
Wir wären nun eigentlich mit dem Gespräch fertig. Aber Sie wollen bestimmt noch etwas ansprechen.
Waske: Richtig. Mehmet Scholl für Deutschland.
Das musste ja gesagt werden.
Waske: Er ist der einzige Spieler, der beim Stand von 0:1 in der 65. Minute mit seiner Einwechslung 80 000 Zuschauer auf seine Seite bringt und natürlich auch die Mannschaft so motiviert, dass sie noch an die Wende glaubt. Auch wenn die Leute behaupten, in der Verlängerung wäre er dann so müde, dass man ihn wieder auswechseln muss, weil er nur 25 Minuten spielen kann. Dann hätten wir es aber wenigstens in die Verlängerung geschafft.
Nicht nur Scholl kommt immer bei Ihnen immer wieder vor. Auch exakt die 65. Minute.
Waske: Da wird er halt immer eingewechselt. Ich war schon immer Fan von ihm. Als ich jung war, hat mir meine Mutter ein Mehmet-Scholl-Trikot gekauft. Ich bin entzückt, wenn ich ihn spielen sehe.
Erfolg werden Sie mit Ihrem Anliegen aber wahrscheinlich nicht haben.
Waske: Ich fände es schön, wenn der Herr Klinsmann nicht auf seinem sturen Kurs bleibt. Vielleicht überlegt er sich: Stimmt. Statt als Nummer 23 einen mitzunehmen, der mich definitiv nicht weiterbringt, kann ich einen guten Einwechselspieler brauchen.
So wird er vermutlich nicht kalkulieren.
Waske: Wenn er Erfolg hat, hat er Erfolg. Ich würde es mit dieser einen Besetzung anders machen.
Das Gespräch führte Marc Beyer
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