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Alexander Waske über Teamgeist, seine Heimat Frankfurt und das Leben als Profi
Herr Waske, Angst vor Spritzen haben Sie keine, oder?
Naja, ich habe keine Spritzenphobie wie vielleicht andere Menschen, aber ich kenne angenehmere Dinge.
Für das Finale Finale der Team-WM haben Sie sich zwölf geben lassen.
Ohne hätte ich nicht spielen können. Ich konnte mich nicht zur Seite bewegen, nach bücken und nicht springen. Ich wollte die Gegend einfach betäuben. Mit vier Tabletten und den zwölf Spritzen hat es funktioniert. Das würde ich aber nicht machen, um trainieren zu können. Aber für so eine Sache...
Was haben Sie beim entscheidenden Punkt gefühlt?
Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Zwischendurch war ich ziemlich nervös. Aber dann war es der blanke Wahnsinn. Ein riesiges Glücksmoment, tausende Leute wollen was von einem, jeder will dir auf die Schulter klopfen. Du weißt gar nicht, wie dir geschieht.
Konnten Sie den größten Triumph Ihrer Karriere genießen?
Das war ein tolles Gefühl, aber mit genießen verbinde ich eher was, was man in Ruhe macht und auf sich einwirken lässt. Aber dafür hatte ich definitiv keine Zeit. Ich konnte mich nicht hinsetzen und zwei Stunden lang strahlen und realisieren, wie geil das ist.
Sie sind Frankfurter und Eintracht-Fan. Waren Sie beim Aufstieg?
Bei der WM-Pressekonferenz hatte ich erwähnt, dass ich da unglaublich gerne hingehen würde, aber keine Tickets habe. Dann war ich doch im Stadion, weil mir jemand von der Presse Tickets hinterlegt hat. Es war saugeil und hat das Wochenende echt abgerundet.
Zurück zum Tennis. Bei der Team-WM ist die oft gescholtene Mannschaft als Gemeinschaft aufgetreten. Woher kam dieseWendung?
Ob das eine Wendung war, weiß ich nicht. Es wird eben sehr negativ über uns gesprochen und wenn wir dann verlieren ist es der fehlende Teamgeist. Aber Tennis ist ein Individualsport. Ich denke nicht, das wir vorher als Team schlecht waren. Wir hatten nur nicht diesen riesen Erfolg.
In welcher Rolle sehen Sie sich in dem Team? Sind Sie der Motivator?
Ich hab den vierten Platz inne. Den reservierten Doppelspielerplatz, den schreib ich mir zu. Und Motivator – ja mein Gott, ich bin halt aus einem anderen Holz geschnitzt als die anderen Jungs. Ich komme aus dem College-Tennis: Da ist alles etwas lauter, etwas emotionaler und es ging immer nur um die Ehre. Ich habe bald drei Jahre für Null Mark gespielt. Ich denke, dieses Teamdenken ist deshalb wohl mehr in mir drin als in den anderen.
Haben Sie das Gefühl, Sie konnten Ihre Kollegen mitziehen?
Tommy Haas auf dem Platz auf jeden Fall. Ich war überrascht, wie dermaßen gut wir harmoniert haben. In einer Beziehung würde man sagen, die Chemie stimmt einfach. Wie wir uns ohne Worte abstimmen, das ist grandios. Ich habe auch die anderen mitgezogen. Es hat ja einen Grund, dass ich so lange wie möglich am Platz sitze, anfeuere und reinrufe. Wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass es was bringt, würde ich meiner Stimme das ersparen.
Sie sind 29 Jahre alt, gehören aber erst seit drei Jahren zur deutschen Spitze. Warum so spät?
Wegen meines Werdegangs. Ich habe nach dem Abi Bundeswehr und eine Banklehre gemacht und kaum Tennis gespielt. Ich war auch nicht so gut, dass ich Profi hätte werden wollen oder können. Nach Amerika bin ich gegangen, um zu studieren.
Und dann?
...habe ich drei bis vier Stunden täglich trainiert. Und meine Trainer haben gesagt, dass ich unter die Top 100 kommen kann. Damals habe ich das als völlig lächerlich abgestempelt. 2003 hatte ich es geschafft. Das amerikanische, erfolgreiche Denken haben mir geholfen. Ich kann jedem jungen Spieler nur raten ans College zu gehen.
Bei den French Open starten Sie wieder nur im Doppel. Was fehlt Ihnen zum Einzelspieler?
Ich erstelle meinen Turnierplan schon mit der Priorität Einzel. Aber da zählt die Physis viel mehr als beim Doppel. Und die Beweglichkeit ist nicht meine Stärke. Wir Tennisspieler definieren uns über das Einzel. Doppelspieler ist schon fast sowas wie ein Schimpfwort.
Welche Ziele verfolgen Sie als Einzel- und als Doppelspieler?
Im Einzel will ich wieder unter die Top 100. Kurzfristiges Ziel ist der Daviscup-Wiederaufstieg und langfristig will ich 2008 zu den Olympischen Spielen nach Peking.
Klappt der Wiederaufstieg?
Mit dem WM-Erfolg und der Euphorie im Rücken können wir es schaffen. Im Notfall habe ich alle Spiele auf DVD und wir gucken uns das alles nochmal an. Dann ist es wieder präsenter.
War der Titel der Beginn einer neuen Ära im deutschen Tennis?
Es war sehr wichtig, positive Akzente zu setzen und ich hätte nichts dagegen, wenn wir eine neue Ära gestartet haben – aber das ist nicht mit einer erfolgreichen Woche getan.
Wie wichtig ist Ihnen das Tennis?
Das ist mein Beruf und steht über allem. Ich muss viel opfern: Urlaub, Wochenenden, Zeit für mich und ein geregeltes Leben.
Sie reisen zwischen den Courts der Welt umher. Wo ist Ihr Zuhause?
Frankfurt am Main. Da bin ich geboren und lebe dort. Mein Akku tankt dort viel schneller auf als irgendwo anders auf der Welt.
Sie wollen noch ein paar Jahre spielen. Was kommt danach?
Das plane ich noch nicht. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich danach erstmal ein Jahr Pause machen muss, um wieder einigermaßen normal zu werden.
Sind Sie jetzt nicht normal?
Nee, denke ich nicht. Tennisspieler sind schon ziemlich abgedreht. Und wir leben irgendwie in einer anderen Zeitzone. Da muss man erstmal wieder runter kommen.
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