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Düsseldorf - Patrik Kühnen freute sich nach dem ersten Titel für Tennis-Deutschland nach dem Ende der Ära Becker-Stich-Graf im Stillen.
"Die Ära Becker ist vorbei, und es wäre schön, wenn das endlich jeder kapiert. Hier geht es um die Spieler Haas, Kiefer, Schüttler, Waske und Mayer, die gerade Weltmeister geworden sind."
Ende September 2002 trat Kühnen sein Amt als Teamchef des DTB an, zweieinhalb zum Teil frustrierende Jahre später stehen er und seine Spieler endlich wieder auf der Sonnenseite.
Kühnens Werk
Kühnens Anteil am Erfolg ist erheblich, immerhin hat er es geschafft, aus vielen Individualisten eine erfolgsorientierte Gemeinschaft zu machen.
Bis zum allerletzten Punkt harrte die komplette Mannschaft auf der Tribüne aus, und die kollektive Freude nach dem Matchball zum 2:1 im Finale gegen die Sandplatz-Großmacht Argentinien war authentisch.
Bewährungsproben kommen
Ob der vierte Titel für Deutschland beim Arag World Team Cup nach 1989, 1994 und 1998 tatsächlich eine Signalwirkung hat, wird sich erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.
Schon bei den anstehenden Grand-Slam-Turnieren in Paris und Wimbledon stehen die deutschen Spieler nach dem Triumph von Düsseldorf deutlich mehr im Fokus als zuvor. Die große Bewährungsprobe für Kühnen und seine Mannschaft folgt dann im September, wenn es in der Playoff-Partie in Tschechien um den Wiederaufstieg in die Daviscup-Weltgruppe geht.
Die schwierigen Vier
Die Spieler glauben fest daran: Tommy Haas, genannt "Frontman", der sich zwar außerhalb der weißen Linien oft etwas gewöhnungsbedürftig verhält, innerhalb der Mannschaft aber zu einem unverzichtbaren Führungsspieler herangereift ist.
Nicolas Kiefer, der vielleicht das größte spielerische Potenzial, aber auch das anfälligste Nervenkostüm besitzt.
Florian Mayer, der seine im vergangenen Jahr angedeuteten Fähigkeiten in Düsseldorf endlich mal wieder zeigte. Rainer Schüttler, der sich beim Arag World Team Cup klaglos in die Rolle des Ersatzmannes fügte und wie ein Besessener an seinem Comeback arbeitet.
"Urviech" Waske
Und schließlich Alexander Waske, von Haas als "Urviech" bezeichnet, jener Mann, der mit seiner Leidenschaft und seinem bedingungslosen Einsatz längst das Herz und die Seele der Mannschaft geworden ist.
"Ohne Alex hätten wir diesen Titel nicht gewonnen", versicherte Kühnen, und alle nickten. Zwölf schmerzstillende Spritzen ließ sich der 30-jährige Frankfurter vor dem finalen Doppel gegen Argentinien in den Rücken jagen, nachdem tags zuvor im Spiel gegen Spanien ein Wirbel im Lendenbereich rausgesprungen war.
"Patrik hat mich hundertmal gefragt, ob er umstellen soll, aber ich habe ihm gesagt: Vergiss es , das hier ist das wichtigste Match meines Lebens, da gehe ich auch mit einem Gipsbein auf den Platz", erzählte Waske anschließend.
Deutsches Tennis? - "Pretty well"
Für den Deutschen Tennis Bund kam der Erfolg der Mannschaft in Düsseldorf offenbar so unerwartet, dass nicht ein einziger Funktionsträger bei der Siegerehrung anwesend war. Präsident Georg von Waldenfels war zwar am Freitag vor Ort, hatte die schmucke Anlage am Rolander Weg aber schon lange vor dem Matchball gegen Spanien wieder verlassen.
Sportdirektor Klaus Eberhard stattete dem Rochusclub nur am Dienstag einen kurzen Besuch ab, und Vizepräsident Rolf Schmid war ebenfalls vorzeitig abgereist.
Möglicherweise steigt die Reiselust im DTB ja wieder, wenn man in Hamburg die Botschaft von Tommy Haas vernimmt: "Das deutsche Tennis ist pretty well, you know."
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